Evangelische Friedenskirchengemeinde Dortmund-Nordost
Ev. Friedenskirchengemeinde Dortmund - Nordost

Andacht zum Pfingstfest

Der Heilige Geist, an den wir am Pfingstfest in besonderer Weise denken, ist die Gestalt Gottes, die am wenigsten greifbar ist. Gott, den Schöpfer allen Lebens können wir in diesen Frühlingstagen wahrnehmen im leuchtenden Grün der Bäume und den leuchtenden Pfingstrosen. Und etwas über Jesus zu sagen, wäre wohl auch kein Problem. Seine Geburt und seine Auferstehung feiern wir an Weihnachten und an Ostern. Wo aber finden wie die Spuren des Heiligen Geistes, an den wir am heutigen Pfingstsonntag denken? Zu abstrakt scheint doch auf den ersten Blick das zu sein, was wir als Heiligen Geist bezeichnen. Doch nur auf den ersten Blick. Beim näheren Hinsehen zeigt sich, dass Heiliger Geist etwas höchst Konkretes ist. Um das Wirken des Heiligen Geistes zu verdeutlichen, sind wir allerdings auf Bilder und Symbole angewiesen.

Im Alten Testament lernen wir den Geist als Lebensatem kennen, den Gott in die Menschen gegeben hat, damit sie leben können. In der Begegnung mit Jeus lernen wir den Heiligen Geist als einen Lebensgeist kennen, der Gefangene frei, Arme reich, Kranke heil und Trauernde und Geschlagene froh machen kann. Und schließlich lernen wir aus der Pfingstgeschichte (Apostelgeschichte 2, 1-13) dass der Heilige Geist jene Kraft ist, die Grenzen zwischen Menschen niederreißt und Trennendes überwindet. Damals, am ersten Pfingsttag in Jerusalem, konnten sich durch den Heiligen Geist auf einmal Menschen verstehen, die einander zuvor fremd waren.

An seinen Wirkungen können wir spüren, dass Heiliger Geist ganz und gar nichts Abstraktes ist.

Und doch: auch wenn wir die Wirkungen des Heiligen Geistes an uns selbst oder mit anderen zusammen spüren, so bleibt der Heilige Geist als solcher doch unsichtbar, so haftet ihm immer etwas Schwebendes an. Darum ist es kein Zufall, dass die Bibel vom Heiligen Geist oft in Bildern spricht.

Drei Bilder sind es, die mir dabei in den Sinn kommen: Da ist einmal der Wind als Bild des Heiligen Geistes. Der Wind kann stürmisch brausen, wie in den vergangenen Tagen, er kann uns durchwehen und er kann zärtlich streicheln. Wir brauchen uns nur einmal in den Wind zu stellen und zu fühlen, was wir dabei erleben. So wie der Wind ist auch der Heilige Geist. Er weht in und um uns, ohne dass wir ihn sehen. Im Wind berührt uns Gottes Geist selbst, der in uns atmet, der uns antreibt, aus uns herauszugehen,.

Ein anderes Bild ist das Feuer, die Glut, die in uns brennt. Wir sind eben keine ausgebrannten Menschen, in uns ist nicht nur Asche und Kälte, nicht nur Leere und Langweile, sondern die Glut der Liebe und der Begeisterung, etwas, das zündet und andere anzustecken vermag.

Das dritte Bild ist das der Sprache. Die Apostel redeten am ersten Pfingsttag in Jerusalem in neuen Sprachen. Sie reden so, dass jeder spüren kann, worum es geht. Diese Sprache verbindet und einigt die Menschen verschiedener Herkunft. Sie überwindet Grenzen und sie weckt Leben.

Pfingsten ist das Fest des neuen Lebens, das Fest unserer Lebendigkeit. Pfingsten heißt, im Vertrauen auf Gottes Geist, der uns geschenkt ist, die neue Sprache der Apostel zu wagen. Von einer geschwisterlichen Welt, in der einer für den andere einsteht, in der einer dem anderen zum Leben hilft und nicht nur den eigenen Vorteil im Blick hat, sind wir in diesen Tagen weit entfernt. Darum brauchen wir die Gabe des Geistes. Denn wir brauchen die Ermutigung zum Leben, die Ermutigung zum Aufbruch in die Zukunft, die Gott uns in Christus eröffnet hat.

Ich wünsche uns allen diesen Heiligen Geist mit seiner Kraft, die frischen Wind in unser Leben bringt nach all der Lockdown- Bedrückung, der Menschen verändert und Leben schafft.

                                                                                                           Pfarrerin Dorothee Schöttling